Diskussion ueber Entwicklungszusammenarbeit
Diskussionsabend zu Entwicklungshilfe
Unser Jahr 2011 haben wir am 18.1.11 mit einem ziemlich erfolgreichen öffentlichen Informations- und Diskussionsabend eingeleitet. Knapp 30 Besucher_innen sind unserer Einladung zu Diskussion mit Georg Krämer, Referent vom Welthaus Bielefeld, seines Zeichens u.a. Dipl. Soziologe und Bildungsreferent für Globales Lernen, gefolgt. Er hielt zunächst einen sehr ausführlichen Vortrag zur Fragestellung „Entwicklungszusammenarbeit - besser, es ganz zu lassen?“ Seine Ausführungen waren in 4 Blöcke geteilt, von denen jeder eine andere Position zur Entwicklungshilfe präsentierte. Es fing kritisch an: Er sprach aus der Sicht der Mehrzahl afrikanischer Intellektueller, die sich ganz klar gegen EZ aussprechen, da diese letztendlich die landeseigene Wirtschaft und Handlungsmöglichkeiten, drosseln und Abhängigkeit provozieren würde. Wie genau die Kopplung und Koordination von den aktuell fließenden Milliarden aussehen solle, sei ungewiss. Etwas konkreter war dagegen die zweite Meinung, repräsentiert durch den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel und der dazugehörigen Bundeszentrale. Die Idee ist, die Arbeit ganz der Wirtschaft zu überlassen, um z.B. zur Armutsbekämpfung den Markt und somit das Einkommen in den Entwicklungsländern anzukurbeln. Dass Deutschland dabei ordentlich Profit mache, gehöre natürlich zum Plan dazu. So fließt Statistiken zufolge pro investierten 1€ ganze 1,80€ zurück nach Deutschland.
NGOs (nichtstaatliche Organisationen) und erfahrene Entwicklungshelfer sprechen vom großen Erfolg heutiger Entwicklungshilfe. Man habe aus den Fehlern gelernt und lege den Schwerpunkt nun auf größere Projekte, spezielle Verpflichtungen seitens der Empfängerländer und 5 essenziellen Kriterien für Effektivität, die zumindestens wichtig klingen – unter ihnen „Ownership“, „Alignment“ und „Harmonisierung“.
Zu guter Letzt nahm Georg Krämer die Rolle eines engagierten Bürgers ein, für den Entwicklungshilfe allein aus Gewissensgründen nicht weg zu denken sei. Der Mensch ertrüge es nicht, Elend zu sehen und nicht zu handeln. Aus sozialer Verantwortung betrachte er das System hinter der EZ kritisch. So bemerke er, dass sehr viel Geld (63%) gar nicht im bedürftigen Land ankäme, sondern von Fachkräften und Forschung verschluckt würden.
Nach dem ausführlichen und informationsreichen Vortrag wurde diskutiert. Es wurden Fragen geklärt, kräftig Meinungen ausgetauscht und somit der ein oder andere weitere Denkanstoß gegeben.
Nach guten 2 Stunden im Gütersloher Brauhaus waren einige vielleicht noch verwirrter als vorher, aber dennoch um neue Gedanken und Informationen reicher. Das Ziel des Abends war schließlich auch nicht, eine goldene Lösung zu finden, sondern eben der Austausch von Gedanken zu diesem Thema von globaler Bedeutung.



